Auch in der Türkei immer mehr Proteste gegen das Großprojekt am Tigris.

(Foto: ECA-Watch Österreich)
Das größte Staudammprojekt der Türkei, der Ilisu-Staudamm, liegt auf Eis. Der Grund: Die europäischen Exportkreditagenturen, darunter die österreichische Kontrollbank und die deutsche Euler-Hermes, sowie die Kreditinstitute Bank Austria, Deka Bank und Societe Generale sind aus ihren Finanzierungszusagen ausgestiegen.
Mit dem Bau Staudammprojekt wurde zwar bereits vergangenes Jahr begonnen. Doch nun fehlt der Türkei das Geld den 1820 Meter langen und 135 Meter hohen Staudamm hochzuziehen, der den Tigris auf einer Länge von 135 Kilometer in nur 65 Kilometer Entfernung zur syrischen und irakischen Grenze aufstauen sollte. Auf 2,5 Milliarden Euro würden sich die Kosten dafür belaufen. Nun sucht die Türkei neue Geldgeber. Im Gespräch sind Investoren aus dem arabischen Raum oder China. Mit dem Rückzug der Europäer wird die Gewinnung von Partnern für das nun gebrandmarkte Projekt aber schwieriger.
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Doch zwischenzeitlich wird die Zahl der Kritiker gegen das Projekt in der Türkei immer stärker, weiß Thomas Wenidoppler von der Initiative ECA-Watch mit Sitz in Wien, der das vom Staudamm betroffene Gebiet in Ostanatolien schon selbst besuchte. Die türkische Presse berichtet immer kritischer und Persönlichkeiten wie der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und Popstar Tarkan engagieren sich gegen den Staudamm, so Wenidoppler. Statt dessen wird gefordert, die Stadt Hasankeyf zum UNESCO-Weltkulturerbe zu ernennen. Nach Fertigstellung des Staudamms würden hier Jahrtausende alte Kulturgüter im künstlichen Stausee des Tigris verschwinden. Der Bau des Ilisu-Staudammes würde eine große Zahl von Problemen nach sich ziehen, wie ökologische: die Zerstörung von 400 km intakter Flusslandschaft - Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten die Überflutung fruchtbarer Ackerflächen Versalzung von landwirtschaftlich genutzten Böden Die Freisetzung von Treibhausgasen durch die Verrottung von Biomasse im Stausee bei gleichzeitiger Sauerstoffarmut Politische: Die türkische Regierung hätte im Falle der Erbauung die Möglichkeit, den Unteranliegern wie Syrien oder dem Irak den Wasserzufluss für mehrere Monate zu verringern oder sie von der Zufuhr gar abzuschneiden, denn die Türkei vertritt den Standpunkt, dass das Wasser aus Flüssen, die ihre Quellen im eigenen Land haben, ihr gehört. Kulturelle: Durch den Ilisu-Stausee würden Kulturdenkmäler und Kulturgüter, unter anderem die archäologisch interessante Stadt Hasankeyf unter Wasser setzen. Besonders die in dieser Gegend lebenden Kurden sind stark erbost über die Staudammpläne aus Ankara und befürchten die Zerstörung eines Stückes ihrer Identität. Soziale: Durch den Ilisu-Staudammes würden 52 Dörfer und 15 Kleinstädte überflutet. Bis zu 60.000 Menschen müssten umgesiedelt werden. Weitere Informationen zum aktuellen Stand des Ilisu-Staudammes gibt es auf der Seite „stopilisu.com“ der Initiative ECA-Watch, sich für höhere Umwelt- und Sozielstandards in der Exportwirtschaft engagiert. |
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